Machbarkeitsanalyse Bewegungstherapie auf dem Pferd

"Reiten ist das Zwiegespräch zweier Körper und zweier Seelen, das dahin zielt den Einklang zwischen ihnen herzustellen." (Waldemar Seuning)

Schon Hippokrates (ca. 460-370 v. Chr.) nutzte Pferde zur Förderung der Gesundheit ein. Heutzutage setzt ein speziell ausgebildeter Physiotherapeut diese Form der Therapie ein und "nutzt die einzigartigen dreidimensionalen Bewegungsimpulse des Pferdes, um beim Klienten auf dem Pferderücken Bewegungsantworten und/oder Haltungsfunktionen zu stimulieren.“ (Debuse, 2015).

Im Mittelpunkt des hier vorgestellten Projektes steht ein spezieller Therapiegurt zur Bewegungstherapie auf dem Pferd für Menschen mit Behinderungen jeden Alters, welcher von Gundula Lüdtke (Rollireitschule Radensleben) entwickelt wurde. Der Gurt entstand, um dem Patienten auf dem Pferd einen besonders sicheren Halt zu geben und ihn dabei in eine andere Sitzposition zu bringen. Dazu wird unter anderem der notwendige Spreizwinkel beim Sitz des Reiters (Abduktion und Rotation) im Vergleich zu einem gewöhnlichen Voltigiergurt deutlich minimiert. Patienten mit Lähmung (oder Spastik, etc.) könnten sonst nicht auf Pferd sitzen. Bei dem Therapiegurt sind zusätzlich zu den Haltegriffen auch Stümpfe an dem Gurt befestigt. Diese Stümpfe halten die Beine des Patienten, wodurch ein stabilerer Sitz ermöglicht wird.

Ziel war eine Machbarkeitsanalyse zum Nachweis des Behandlungserfolgs des Therapiegurts bei der Bewegungstherapie auf dem Pferd. Dazu wurde in einem ersten Schritt der Stand der Wissenschaft und Technik erfasst. Auf dieser Basis sowie aus Erfahrungen mit diversen Messsettings mit mobilen Sensoren wurden Messserien vor Ort durchgeführt.

Zur Messung der Muskelaktivität und der Bewegung des Pferdes wurden zwei 8-Kanal-Messgeräte verwendet (jeweils vier EMG-Sensoren und ein 3D-Beschleunigungssensor je Körperseite). Außerdem wurde ein mobiles Motion-Capture-System genutzt, um die Bewegung des Reiters vollständig zu erfassen und daraus Gelenkwinkel bestimmen und somit die beiden Gurtsysteme vergleichen zu können. Darüber hinaus wurde die Messung mit einer Videokamera aufgezeichnet, um dies in die spätere Auswertung mit einbeziehen zu können. Gemessen wurden verschiedene Übungen aus der Therapie in den Gangarten Schritt und Trab.

Auf Basis der gemessenen Gelenkwinkel und Muskelaktivitäten konnten in einem definierten Messsetting Daten gesammelt werden und diese vergleichend gegenübergestellt werden. Dadurch bietet sich ein erster allgemeiner Eindruck über die Daten und die Unterschiede zwischen Voltigier- und Therapiegurt.

Die Ergebnisse der vorliegenden Machbarkeitsanalyse sind vielversprechend. Es wurde festgestellt, dass die Machbarkeit zum Nachweis des Behandlungserfolgs der Bewegungstherapie auf dem Pferd gegeben ist und daraus ein Konzept für eine Studie abgeleitet werden kann.

Projektteam: Prof. Dr. Eberhard Beck, Dr. Katja Orlowski, Cornelia Schröder und Kai-Uwe Mrkor

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IM PORTRAIT
Ein eingespieltes Team der Medizininformatik

Das gemeinsame Arbeiten an einem gemeinsamen Ziel - wobei jeder sein ihm eigenes Fachwissen einbringt - das zeichnet die Projekte der Medizininformatik aus.

Dr. Katja Orlowski hat an der TH Brandenburg Informatik studiert und danach an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg promoviert. Sie brachte in dieses Projekt umfassende Kenntnisse im Studiendesign und der deskriptiven Statistik ein.

Cornelia Schröder
ist die Pferdeexpertin im Team. Vor ihrem Studium der Medizininformatik an der THB hat sie den Beruf einer Pferdewirtin (Schwerpunkt Reiten) erlernt und ist immer noch in der Reitlehre aktiv.

Kai-Uwe Mrkor hat in Görlitz und Zittau Elektrotechnik studiert und danach noch an der Universität Hagen ein Informatikstudium absolviert. Er war der Programmierer im Team und hat die benötigte Software immer auf den Punkt entwickelt.

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